In den vierziger Jahren des neunzehnten Jahrhunderts (um 1840) gründeten sich in Hamburg Vereine, die mit der Politik der Erbgesessenen Bürgerschaft - vorwiegend waren deren Mitglieder Großkaufleute - nicht einverstanden waren. "Die bedeutendsten dieser Zusammenschlüsse waren die Bürgervereine, von denen drei in den vierziger Jahren gegründet wurden", schreibt R.J. Evans in seinem Buch "Tod in Hamburg".

Sie vertraten, wie z.B. der Bürgerverein der Nicht-Grundeigentümer, wirtschaftliche und politische Interessen der Stadtteile (oder Bevölkerungsgruppen, um die sich keine der bestehenden Institutionen kümmerte). Der erste wurde 1843 auf St. Pauli gegründet und gewann bald politische Bedeutung. Später kam es mit dem weiteren Wachstum der Stadt zur Gründung neuer Bürgervereine in den äußeren Vororten.

Sie kümmerten sich um Straßennamen und Hausnummern und übten Druck auf den Senat aus, damit dieser für angemessene sanitäre Einrichtung, Wasserversorgung, Straßenbeleuchtung, Pflasterung der Straßen und andere Annehmlichkeiten sorgte. Später übernahmen die Bürgervereine auch die Ausrichtung der Wahlen zur Bürgerschaft und wurden wesentlicher Bestandteil der nicht durch Statuten festgelegten Verfassung der Stadt.

Um das Jahr 1892 gab es bereits 32 Bürgervereine, von denen die meisten im ZA zusammengeschlossen waren. Auf dem sozialen Feld betätigten sich, z.B. 1902 als Vorsteher, zwar vorwiegend Angehörige der "herrschenden Klassen der Stadt", doch unter den 1563 Armenpflegern waren Kaufleute (253) und Akademiker (254) minder stark vertreten, wogegen das kleinbürgerliche Element deutlich in den Vordergrund trat: Immerhin waren 528 von ihnen Handwerksmeister und 231 Kleinhändler.

In ihrer überwältigenden Mehrheit dürften diese Bürger auch aktive Mitglieder ihrer Bürgervereine gewesen sein, zu denen die Armenvorstände der einzelnen Stadtteile eine enge Verbindung hielten, wenn sie auch nicht offizieller Natur war" (Evans).

Als im Jahr 1892 in Hamburg die Cholera wütete (die Bürgervereine hatten lange zuvor auf die katastrophalen sanitären Verhältnisse vor allem inner- und neustädtischer Wohngegenden hingewiesen), wurden Notstands-Stadtteilkommitees gebildet. Bürgervereine gründeten sie, ihre Mitglieder organisierten die Arbeit. "Während diese bei der Organisation dieser gewaltigen wohltätigen Aufgabe die Führung übernahmen, wurde häufig die eigentliche Arbeit von den Frauen der Bürgervereinsmitglieder geleistet" (Evans).

In seiner Arbeit zum Jubiläum des Bürgervereins von St. Pauli (1961), herausgegeben von Erich Lüth, schreibt Bürgermeister Dr. Paul Nevermann "In unmittelbarem Anschluß an die Katastrophe von 1842 (der große Hamburger Brand) ging eine große Bewegung bürgerlicher und vaterstädtischer Selbstbesinnung durch alle Stadtteile.

Diese Selbstbesinnung führte zu einer scharfen Kritik gegen den obrigkeitlich regierenden Senat sowie den öffentlichen Institutionen, deren Leistungssteigerung hinter dem Wachstum der Großstadt zurückgeblieben war. Diesen Weg in die Zukunft hätte Hamburg nicht gefunden, wenn nicht gleichzeitig umfassende Reformen durch die Bürger gefordert und erkämpft worden wären. Diese Bürger fanden sich in so angesehenen Vereinigungen wie der "Patriotischen Gesellschaft" oder in den regionalen Bürgervereinen."

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