Piepenreimers

Claus Timm, genannt Pipenreimers, geboren

1790 als ehelicher Sohn des Arbeitsmannes

 Hans Timm in Lurup, Hülsenhändler

 gestorben am 16. Juli 1865.

in alten Hamburger Gaststätten pflegten zwei Bilder zu hängen: Hummel und Pipenreimers. Auch in den Aufzeichnungen alter Hamburger werden sie am häufigsten erwähnt. Sie scheinen also die bekanntesten unter den Hamburgern Originalen zu sein.

Timm war kein anspruchsvoller Mensch. Er hatte keinen festen Wohnsitz, sondern schlief im Sommer im Freien, im Winter bei den Bauern in Scheunen. Anspruchslos war auch die Ware, mit der er handelte: Hülsenzweige und Binsenhalme. Hülse ist ein alter Name für Stechpalmen, Ilex. Er pflückte davon Zweige, wo er sie in Knicks oder in verwilderten Gärten fand, und zog damit, sie wie einen Weihnachtsbaum auf der Schulter tragend, in die Stadt. Die Leute kauften solche Zweige, um Katzen fernzuhalten. Man legte sie in Durchschlupflöcher im Zaun, in der Planke, in der Hecke oder auf die Fensterbank der Speisekammer und konnte sicher sein, dass diese Stellen wegen der spitzen Stacheln an den Blättern von den Katzen gemieden wurden. Seinen Spottnamen aber verdankte er den Pfeifenräumern, die er in der Hand trug. Das waren Halme vom blauen Pfeifengras, Molinia, die er draußen in den Mooren pflückte und in die Stadt als Mittel, die damals gebräuchlichen langen Tonpfeifen zu reinigen verkaufte.

Diese seine beiden Handelsobjekte pries er an mit dem ständigen Ruf:“ Hüls, Hüls, ok Pipenrümers!“ Da der Name Reimers in Hamburg schon sehr verbreitet war, ist es verständlich, dass Timm nicht anders als Pipenreimers genannt wurde. Mit Geistesgaben war er nicht gesegnet. Dafür aber hatte ihm die Natur eine Stimme gegeben, von der es hieß, er hätte Tote damit erwecken können. Er handelte in Altona und in Hamburg. Stets wenn er an einem Ende eines lärmerfüllten Marktplatz erschien und seinen Ruf erschallen ließ, war man am anderen Ende sofort von seinem Erscheinen unterrichtet. Diese Stimme war auch seine Waffe gegen Straßenjungen, die ihm gar zu gern folgten und seine Rufe nachäfften. Er schalt nicht, er tat ihnen auch nichts, er überschrie sie einfach. Wenn man zeitgenössischen Berichten glauben darf, machte er sich oft ein Vergnügen daraus, an Frauen und Kinder von hinten leise heranzutreten und dann plötzlich seinen Ruf erschallen zu lassen. So beichtet die Schriftstellerin Emelie Weber in ihren Lebenserinnerungen, dass sie und ihre Freundinnen immer einen großen Bogen um diesen Mann herum gemacht hätten, um sich nicht ein zweites Mal von ihm hinterrücks anbrüllen zu lassen.

Schon zu seinen Lebzeiten wurde er in einem Volksstück dargestellt. Es gab auch einen Tanz mit dem Refrain „So geiht he goot“, in dem er verherrlicht wurde. Er starb im Alter von 75 Jahren in Bahrenfeld und wurde auf Kosten der Gemeinde Niendorf auf den damals Ottensener Friedhof beerdigt.

 

 

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