Eidelstedter – Heimatchronik
Eidelstedter – Heimatchronik
für die Jahre
1955 – 1995
Eidelstedter Heimatmuseum
Alte Elgaustrasse 12
22523 Hamburg
Tel. 040/ 570 95 99
Diese Nachfolge Chronik möchte anknüpfen an die 1965 im Verlag Steinborn erschienene Eidelstedter Chronik von Otto Hintze, worin Ereignisse bis zur Zeit des ersten Wiederaufbaus nach dem zweiten Weltkriege geschildert sind.
Die Voraussetzungen für das Zustande kommen einer solchen chronikalischen Darstellung in einem einer Großstadt angehörenden Randgebiet sind nicht besonders günstig. Die Landesregierung wird zunächst die bei ihr bestehen zentralen Einrichtungen wie Museen, Archiv oder sonstige für förderungswürdig erachteten Einrichtungen, auch um sich selbst angemessen darzustellen, begünstigen. Nur die lokalen Kräfte der Einwohnerschaft eines Flächenstaates sind eher an heimatkundlicher Bestätigung zu interessieren. Weil das Fehlen einer neueren Heimatchronik manchmal bedauert wurde, ist die hiermit angebotene Arbeit eines nicht gebürtigen Eidelstedters zustande gekommen. Die geringe Auflage ist bedingt dadurch, dass die Einwerbung von Zuschüssen oder Spenden und bessere (bildliche) Ausgestaltung zu mühsam gewesen wäre.
Das Ortsgebiet von Eidelstedt liegt ziemlich geschlossen zwischen Bundesbahngelände, Landesgrenze nach Holstein und dem Autobahn Abzweiger nach Pinneberg. Im Süden öffnet sich zu beide Seiten der Schnackenburgallee eine schwach bewohnte Industrielandschaft; im Norden erstreckt sich eine Feldmarkt zwischen Verkehrsstraße und Niendorfer Gehege. Die Einwohnerzahl hat Hintze für den 1. Jan. 1957 mit 16059 angegeben, bis Ende 1970 stieg sie auf 27315. Ende 1994 hatte der Ortsteil 320 Eidelstedt 29288 Einwohner, davon männlich 14106 und weiblich 15182. Der Anteil der Ausländer war im Okt. 1994 3481, also 11,8 %. Diese Zahlen sind ein Beweis für das ständige Bestreben nach Besiedlung der Vororte. Das geschah sowohl durch Hochbauten wie am Hörgensweg oder Wiebischkamp als auch durch Einzel oder Reihenhäuser, zum Teil mit Garten. In diesen Bereich gibt es wenig Industriebauten und auch von größeren Bürohäuser ist der Stadtteil verschont geblieben. Ein ausgesprochenes Villenviertel fehlt und die Bevölkerung gehört den unteren oder mittleren Vermögensklassen an. Der allgemeine Trend, dass fortgesetzt weniger Menschen in der produktiven Wirtschaft tätig sind und entsprechend mehr im Dienstleistungsbereich, ist auch hier zu vermuten. Berichte über größere Demonstrationen oder Krawalle im Stadtteil liegen nicht vor.
Das Ergebnis der politischen Wahlen entsprach dem der gesamten Hansestadt, grob gerechnet ergab sich zunächst ein ungefähres Gleichgewicht von zwei großen Parteien unter leichtem Übergewicht der Sozialdemokratie. Bei der Bundestagswahl von 1953 stimmten bei einer Beteiligung von 87,6 %
ca. 3600 für die SPD
ca. 3000 für die CDU
ca. 673 für die FDP
ca. 538 für die Deutsche Partei
Bei der Bundestagswahl 1994 stimmten für
SPD 6678 = 46,7 %
CDU 4939 = 34,9 %
FDP 786 = 5,5 %
Grüne 131 = 7,9 %
Die Bürgerschaftswahl 1993 ergab für
SPD 5774 = 47,0 %
CDU 2841 = 23,1 %
FDP 379 = 3,1 %
Grüne 1119 = 9,1 %
Sonstige 2181 = 17,7 %
Einem allgemeinen Trend zufolge hatten überwiegend Kleinfamilien oder Einzelpersonen die verfügbaren Wohnungen bezogen. Das Stadtbild hat sich auch in sofern geändert, als die meisten kleineren Geschäfte im Wohngebiet allmählich verschwunden sind und zur Deckung des allgemeinen Bedarfs größere Kaufhäuser oder Supermärkte im Ortszentrum oder an wichtigen Straßen aufgetreten sind. Diese Veränderung nötigt die Bürger zu längeren Einkaufsfahrten mit Auto und Fahrrad. Dadurch steigt die Verkehrsdichte. Der durchschnittliche Tagesverkehr betrug 1970 auf der Kieler Straße 48000 Fahrzeuge, für die Umgehungsstraße Eidelstedt 34000 Fahrzeuge.
Die Radfahrer benutzen jetzt ganz normal die Bürgersteige, auch sieht man viele Kinderwagen, die in Bussen oder Bahnen mitgeführt werden können.
Abgegeben von dem Bau des Autobahnabzweigers in Richtung Pinneberg sind als Verbesserung der Straßenverhältnisse die großzügige Umgestaltung des Eidelstedter Platzes und die neue Einmündung zu nennen.
Da zu Beginn der 60er Jahre der Betrieb der Straßenlinie bis zum Eidelstedter Platz eingestellt wurde, ist dieser Platz als Knotenpunkt für den Busverkehr ausgestaltet. In den 70er Jahren trat durch Verlängerung der S-Bahn nach Pinneberg eine Verbesserung des Bahnverkehrs ein und 1994 konnte die Eisenbahngesellschaft Altona – Kaltenkirchen – Neumünster (AKN) auf 100 jähriges Bestehen zurückblicken.
Wer zwischen Elbgaustraße und Halstenbek mit der Bahn fährt, kann auf dem Bahnkörper des früheren Rangierbahnhofs soweit die Sicht es zulässt ein lang gestrecktes hellgraues Fensterloses Gebäude erblicken. Es ist das Betriebswerk für die ab 1991 fahrenden Intercity Express Züge (ICE) der Deutschen Bahn AG: Im Stundentakt verkehrten die Züge zwischen Hamburg Altona und München über Kassel – Wilhelmshöhe und später auch auf weiteren Strecken.
Die Betriebshalle ist 430m lang und 63m breit; sie hat auf den Schmalseiten je 8 Tore, durch die die Züge, die nicht abgekuppelt werden, ein und ausfahren können. In jeweils 60 Minuten kann ein Zug mit 14 Mittelwagen und je einem Treibkopf (d. h. Lokomotive) vorn und hinten versorgt sein. Dazu befindet sich in der Halle ein drei Etagen umfassendes hell grün gestrichenes Stahlbeton Gestell, in dessen mittlerer Ebene die Schiene vorgesehen sind.
Ist der Zug eingefahren, so können auf der unteren Ebene in 10 bis 20 Minuten besondere Luftkissen – Hubwagen nicht mehr einwandfrei Radgestelle austauschen. Das geschieht, indem kürzere Gleisstücke zur Seite geschoben werden, so dass der millimetergenau arbeitende Hubwagen das Radgestell von unten greift, zur Seite schafft und ein einwandfreies Gestell einfügt.
Auf der mittleren Ebene verkehren neben den Waggons kleine Arbeitswagen, mit deren Hilfe der Restaurantwagen versorgt wird. Die Betriebshalle kostete 300 Mio DM, während ein neuer ICE - Zug 50 Millionen DM wert ist. Die Kosten für die gesamte Streckenführung gehen in die Milliarden.
Die Industrieansiedlung rings um die Schnackenburallee ist bereits auf die städtebaulichen Verhältnisse gegen Ende des 19. Jahrhunderts zurückzuführen. Eidelstedts imposantester Industriebetrieb, die von der S-Bahn sichtbaren Tivoli - Werke, haben ihre Produktion auf mehreren Gebieten ausdehnen können. Von den Spangenberg – Werken, einer größeren Lackfabrik, findet man jetzt keine Hinweise mehr in Eidelstedter Bereich. 1957 konnte das Tiefbohrunternehmen Karl Eckhoff (Reichsbahnstraße) auf 25 jähriges Bestehen hinweisen. Nachdem 1953 noch das 100 jährige Jubiläum der Firma F. C. J. Lampe gemeldet war, bemerkte man von der früheren Anlage nur noch den schwarzen Stumpf einer Windmühle. Am entgegengesetzten Ende des Ortsgebiets sucht man vergeblich nach der ehemals bedeutsamen Großgärtnerei Süptitz. Von Firmensterben betroffen sind auch die früheren Lichtspielhäuser gewesen und der ehemals bedeutende Gasthof betrieb Ramcke steht zum Abbruch bereit. Auch das an der Kieler Straße gelegene ehemalige Gesellschaftshaus Lietz, das zuletzt als Unterkunft für fremde Hafenarbeiter diente, konnte nicht bestehen bleiben.
Dagegen entwickelte sich der Einzel und Gemeinschafts Wohnungsbau. So entstanden in den 60er Jahren eine Siedlung der SAGA zwischen Holsteiner Chaussee und Umgehungsstraße mit 636 Wohnungen für etwa 2000 Bewohner. An neuen Gemeinschaftsunterkünften sind zu nennen außer dem Wohnstift Dirk Koster Testament noch die Stiftung des Vereins Hamburgischer Staatsbeamten, eine weitere Seniorenpension an der Lohkampstraße und in den letzten Jahren der durch seine moderne Bauform auffallende Seniorenwohnpark Michael Fuchs an der Reichsbahnstraße. Die Einführung der Pflegeversicherung trägt dazu bei, dass ambulante Pflegestationen im Stadtbild auftreten.
Wer auf den Eidelstedter Platz gelangt, wird automatisch von dem dortigen Einkaufszentrum angezogen. Die Eröffnung des an der Lohkampstrasse gelegenen Teils hatte schon am 18. März 1971 stattgefunden. Das eigentliche Ladenzentrum ist auf Pläne des Architekten – Büros Waldschmidt, die weitere Anlage auf Architekt Mohr und der Neubau des 45 Jahre bestehenden Kaufhauses Reinhold & Pabst auf Architekt Krüger zurückzuführen.
Ein etwas versteckt liegendes größeres Bürohaus am Baumacker 3 dient der Zoll technischen Prüfungs und Lehranstalt. Hier sind über 80 Personen beschäftigt, darunter 12 Chemiker. In mehr als 30 Untersuchungslaboratorien wurden 1986 mehr als 10.000 Gutachter erstattet.
Die früher so wichtige Landwirtschaft im Ortszentrum ist auf schwer bemerkbare Reste geschrumpft. Kenner der örtlichen Verhältnissen wissen zu berichten, dass eine mit Siegespreisen bedachte Zucht von Traberpferden auf dem Hofe der Bauernfamilie Langeloh bestanden hat. Inzwischen ist der Wirtschaftsteil des Hofes abgebrochen, der im Heimatstil erbaute Wohnteil jedoch renoviert und harrt neuer Nutzung für soziale Zwecke. Das Bauernhaus Krohn war 1962 vom Rungwisch verlegt worden, weil 20 ha. Wiesen und Ackerland dem Straßenbau geopfert werden mussten. Der Hof wurde in die Feldmark umgesiedelt, wo er weiterhin das Beste für seinen Fortbestand sucht.
Schwierig war auch die Existenz der ehemals zahlreichen Kleingärten. Diese haben ihren Sitz am Hörgensweg, an der Pinneberger Chaussee, am Bollweg und am Niendorfer Gehege. Sie mussten mehrfach Land für den Wohnungsbau hergeben. Bei örtlichen Veranstaltungen trifft man nach wie vor Aussteller, die dem Kaninchenzüchter Verein angehören, der seine wohlgeratenen Tiere ausstellt und schon über 50 Jahre besteht.
1973 hat die Baubehörde Milieuschutzgebiet ausgewiesen, die wegen bisher guter Bebauung von Verunstaltungen verschont bleiben sollen. Es sind dies in Eidelstedt die Lohkamp Siedlung (lfd. Nr. 74) und Haseldorfer Weg (lfd. 75 Eisenbahner Siedlung).
Das allgemeine Interesse für den Schutz der Natur hat verhindert, dass Schäden an dem herrlichen Baumbestand um den Sola - Bona - Park zu verzeichnen wären, auch können die Eidelstedter sich an dem alten Baumbestand an der Alten Elgaustraße beim Ortszentrum oder an den anderweitigen alten Chausseebäume erfreuen. Der Naturschutzbund, kurz NABU, will seine Bemühungen um den Fortbestand der heimatlichen Natur fortführen. Empfindliches Objekt sind die Bachläufe wie die Mühlenau. Immer wieder muss über das Wegwerfen von Unrat Klage geführt werden. Während der Berichtszeit war einige Jahre hindurch erlaubt, nicht mehr gebrauchte Möbel, Textilien, Verpackungsmaterial usw. („Sperrmüll“) an bestimmten Abholtagen auf die Straße zum Wegschaffen durch die Stadtreinigungsfahrzeuge hinzustellen. Dabei hatten Sammler und Bastler Gelegenheit gehabt, das Abfallgut auf Brauchbares zu untersuchen und ihre Wohnungseinrichtung aus Sperrmüll zu vervollständigen. Der dabei oft verstreute Sperrmüll wurde zum Ärgernis und jetzt kann man sich an die Sperrmüll Disposition Schnackenburgallee 100 wenden, um die Gegenstände auf Recycling Höfe zu bringen. Als unschön zu vermerken ist auch die Tätigkeit jüngerer Leute, die nach weißen Wänden oder Mauern Ausschau halten, um sie nachts mit Graffiti zu besprayen. Im allgemeinen sind andere Stadtteile von dieser Unsitte stärker betroffen als Eidelstedt, nur die S-Bahn Station Eidelstedt sieht in dieser Hinsicht schlimm aus.
Glücklicherweise ist jetzt kaum noch über Geruchsbelästigung zu klagen, da die Fischmehlfabriken hier nicht mehr tätig sind. Unangenehm war aber für das Ansehen des Stadtteils ein folgenschweren Unfall vom Farnhornstieg im September 1979. In dem abgelegenen Gewerbegebiet nördlich des Altonaer Volksparks hatte sich besonders für Kriegsbedarf ein Unternehmen angesiedelt, in dem explosive und giftige Stoffe gelagert waren und auch bearbeitet wurden. Dieses Grundstück der Dr. Hugo Stoltenberg verwahrloste nach Aufgabe des Gewerbebetriebs, ohne dass es saniert wurde. 1971 hatte das Grundstück bzw. das einstöckige Gebäude, das mit Kisten, Fässern und Säcken voll gepackt erschien und nicht ordentlich eingefriedigt war, das Misstrauen einer Nachbarin erregt. Die Behörden bezeichneten den Betrieb als erhaltungswürdig oder ungefährlich. 1979 nahmen Kinder Material und Munition mit nach Haus und experimentierten damit. Am 6. Sept.1979 geschah im Keller eine Explosion, wobei ein acht jähriger Junge getötet wurde und die anderen Kinder schwere Verletzung erlitten. Der Vorfall wurde als bald in Hamburg und drüber hinaus als ein Skandal gewürdigt, zu mal die öffentliche Meinung sich intensiver als früher mit dem Umweltschutz befasste. Untersuchungen ergaben, dass sich auf dem Grundstück außer scharfe Munition auch kleinere Mengen gefährlicher Gifte befanden. Ein Sachverständiger urteilte, dass bei Auslaufen einer Gasgranate eine Gaswolke von 600m Durchmesser hätte entstehen können, was zu Todesfällen und schweren Verletzungen hätte führen können. An Ort und Stelle leitete der Bausenator die Entsorgungs Maßnahmen und 80 Tonnen sichergestelltes Material wurden durch Bundeswehr Fahrzeuge nach Münster zur Vernichtung geschafft. Bis in 4m Tiefe wurde der Boden abgegraben. Man suchte Schuldige und ein Senator trat von seinem Amt zurück.
Aus dem Gebiet der Daseinsvorsoge sei hier zunächst die Freiwillige Feuerwehr erwähnt. 1975 erinnerte Wehrführer Otto Appelius daran, dass die Feuerwache 50 Jahre vorher von Firma W. Steinhoff erbaut worden war. Des näheren sei auf die ausführliche Festschrift aus Anlass des Jubiläums hingewiesen. Allgemein bekannt ist auch das wohltätige Wirken des Deutschen Roten Kreuzes, seine Spendentätigkeit, die Erste Hilfe und Krankenhilfe. Bis 1958 war Wilh. Tripmacher Bereitschaftsführer, seine Aufgaben übernahm Walter Gerken
1970 praktizierten in Eidelstedt 11 prakt. Ärzte, daneben bestanden Praxen für fast jeden fachärztliche Tätigkeit, 6 Zahnärzte sowie diverse Beratungsstellen.
1972 wies der Verband der Kriegsgeschädigten, Kriegshinterbliebenen und Sozialrenten und Sozialrentner im Ort auf seine 25 Jahre lange Tätigkeit hin.
Am 5. Januar 1973 eröffnet die Ev.- lutherisch. Kirchengemeinde die Altentagesstätte Haus Koyen in einem 200 Jahre alten Reetgedeckten Gebäude am Dörpsweg. Vorher hatte es einige Aufregung gegeben, weil angeblich die Verlegung des Männerlagers Weg beim Jäger nach Eidelstedt geplant war.
Nähere Erkundigung über die neuen Eidelstedter Kirchen muss der Wissbegierde der Leser überlassen bleiben, hier nur kurze Angaben:
Zum Kirchenkreis Niendorf gehören:
-Elisabeth Kirche an der Eidelstedter Dorfstraße,
die älteste hiesige Kirche
-Marienkapelle Mählstraße 1
Gemeindesaal Eidelstedt Ost, Dallbregen 1
-Christuskirche Halstenbeker Weg 22
Für Angehörige des katholischen Bekenntnisses besteht seit den 70er Jahren die St. Gabriels Kirche, Niekampsweg 24.
Eine Neuapostolische Kirche hat Eidelstedt an der Lohkampstraße 71.
Zu Anfang der 60er Jahre wurde auf dem Eidelstedter Friedhof unter Mitwirkung des Architekten August Koyen ein Ehrenmal für die Opfer beider Weltkriege errichtet und am 18. November 1962, dem Volkstrauertage, eingeweiht. Für einen im Kriege 1870/71 gefallenen Eidelstedter hatte es früher unter einer „Friedenseiche“ auf dem alten Schulhof an der Dorfstraße ein Gedenkmal gegeben. Die Anlage wurde verändert und heute erinnern sich nur noch ältere Einwohner, welche Eiche diesem Zweck gedient haben kann. Dagegen ist der Gedenkstein für die Erhebung Schleswig-Holsteins auf dem Eidelstedter Platz bei der Doppeleiche leicht zu erkennen.
Dem Schmuck des Ortsbildes dienen einige plastische Kunstwerke, von denen die steinerne Jungbären Gruppe bei Jasminweg 6 (Bildhauer Martin Ruwoldt, 1891 – 1996) wohl den meisten Menschen gefällt. Es gibt im Ort aber weitere.
Kunst an Bau und Straße:
Schule Halstenbeker Str. 41 (Gerüst Objekt aus Rohren von Joachim Albrecht
Hörgensweg 73 (Katze aus Aluminium von Schlüter Stoll)
Schule Lohkampstraße 145 (Lama aus Stein, Richard Steffen)
Rebenacker 12 und 19: bronzener Löwe und steinernes Wegzeichen von M. Schegulla
Reemstückenkamp 30b: Tanzende Figuren von Schegulla
Reichsbahnstraße 55: Objekt aus Stein von H. Worreschk
Wiebischeenkamp:Bronze, abstrakt, von Barbara Haeger
Die Plastik einer Frauenfigur bei einem Wohnblock an der Straße Karkwurt vom Bildhauer Alb. Chr. Friedrich Woebcke (1896 – 1980) ist leider im Kriege verloren gegangen.
Bis 1982 hatte ein Haus der Jugend an der Wiebelstraße bestanden, das dann in ein Spielplatzheim umgestaltet wurde. Ein neues Heim wurde am Baumacker auf 700 qm Nutzfläche und mit 4 Millionen DM Kosten errichtet.
Eine Bezirksschwimmhalle mit Sprunganlage und 25m Bahn steht den Wasserfreuden seit 1972 an der Grenze zu Lurup zu Verfügung. Der Richtspruch des Poliers Breuninger vom 21. Februar 1974 schien würdig, im Mitteilungsblatt des Bürgervereins abgedruckt zu werden. Nahe der Kieler Straße betreibt der Schwimmverein Poseidon eine eigene Badeanlage. 1995 konnte der Verein seine 100 Jahr Feier begehen Das Schwimmbecken ist 50 x 21m breit und hat acht internationalen Regeln entsprochen Startbahnen, daneben Nichtschwimmerbecken.
Der jenseits der Landesgrenze liegende Krupunder See dient nicht mehr Badezecken, sondern dem Naturschutz und die Planung einer Großwohnungsanlage um 1974 konnte verhindert werden. Das Fußballstadion am Altonaer Bürgerpark erhielt 1961 seine Flutlichtanlage, bei welcher Gelegenheit die Zuwegung verbessert wurde. Über die großen Veranstaltungen im Stadion wie über die Tätigkeit der am Ort befindlichen Betriebssportgemeinschaft braucht hier nicht berichtet zu werden. In der lokalen Presse oben an stehen meistens die Nachrichten über den Eidelstedter Sportverein von 1910 e. V. Daraus erkannt man, dass dem Verein in letzter Zeit Basket- und Volleyball, Tanzsport und Gymnastik wichtig erschienen, dazu eine Integrations – Sportabteilung für behinderte Kinder.
Der Verein Spiel und Sport Lohkamp beging 1968 sein 10jähriges Jubiläum. Laufend berichtet wird auch von den Erfolgen des Eisenbahn Turn und Sportvereins von 1922.
Vom Sport zum Gesang: Die Liedertafel „Hoffnung“, jetzt Eidelstedter Männerchor, fuhr auf Anregung eines ausgewanderten Mietgliedes im Frühjahr 1963 zu einer Gastspielreise nach Südwest Afrika und diente so der Völkerverständigung. Der Verein hat sein 100 jähriges Jubiläum hinter sich.
Ihren 50. Geburtstag feierte am 5. Oktober 1975 die Volksspielbühne „die Rampe“. Sie spielt häufig im Eidelstedter Bürgerhaus; einer ihrer beliebtesten Mitwirkenden ist der ehemalige „Klockenschoster“ Jochen Voß, besonders durch seine plattdeutschen Vorträge. Hier sei nebenher angemerkt, dass von den hergezogenen Bürger nur die Norddeutschen plattdeutsch sprechen und verstehen, ebenso wie nur die Älteren die alte deutsche Schrift lesen können. In wie weit die Kinder plattdeutsch verstehen oder alte Schrift lesen lernen sollen, ist Sache der Schulen, über die hier nur dürftige Angaben gebracht werden können. Im Schulwesen waren in der Berichtszeit mehrere Änderungen zu vermerken; hier nur der Zustand der Eidelstedter Schulen 1971:
Furtweg: Grund, Real und Hauptschule
Rungwisch: ebenso, jedoch mit Schulkindergarten
Lohkampstraße: wie Rungwisch
Eidelstedter Brook: Gymnasium und Gesamtschule
Max Traeger Schule: Baumacker 10 mit Vorschulklasse
Elbgaustraße: Die Schule wurde zum Niekampsweg
verlegt, das Gebäude wurde 1980 frei.
Dörpsweg: Gymnasium die Schüler wurden bis zur Fertigstellung in der Schule Halstenbeker Weg unterrichtet.
An der Reichsbahnstraße besteht seit 1981 eine Ausbildungsstätte für Jugendliche, die mit Kontakt zu bestehenden Betrieben arbeitet. Die Hamburger Volkshochschule hat in Eidelstedt keine Nebenstelle eingerichtet. Die Eidelstedter Bürger müssen bei Interesse in das Stadtzentrum fahren oder eine entsprechende Einrichtung in den holsteinischen Ortschaften aufsuchen. Es käme allerdings noch die Kirchen und Gemeindesäle für Musik oder Vortagsveranstaltungen in Betracht. Das konnte kulturellen Bedarf bei Anwachsen des Stadtteils nicht befriedigen.
Der erste Versuch, einen Verein „Eidelstedter Heimatmuseum e. V. zu gründen, wurde 1958 unternommen. Am 24. April 1958 wurde im Musiksaal der Schule Furtweg zu einem Werbeabend aufgerufen. Umrahmt von Literatur, Gesang und Musikvorträge wurden eine Lichtbildreihe über Alt Eidelstedt und ein Heimat freundlicher Film vorgeführt. Rudolf Sottorf sprach über die Eidelstedter Familie Sottorf. Dieser viel versprechende Versuch scheiterte an der Raumfrage. Als schließlich die Schule Elgaustraße frei wurde, gründete man den Verein „Eidelstedter Bürgerhaus e. V.“, um hier ein Zentrum für Stadtteilkultur zu schaffen. Ein beträchtlicher Raumanteil steht der städtischerseits betriebenen Elternschule betriebenen Elternschule zur Verfügung. Die ehemalige Aula im Obergeschoss kann für Theater, Musik und Vorträge oder Versammlungen genutzt werden. In der ehemaligen Hausmeisterwohnung mit einem früheren Schulraum ließ sich das kleine Heimatmuseum unterbringen. Die übrigen Räume dienen als Werkstätten für Hobby Gruppen, Unterhaltung, Jugend und Kindergruppen sowie politischen und Ratgeber Treffen.
In anderen Stadtteilen findet man in derartigen Häusern Geschichtswerkstätten oder ähnliche Arbeitsgemeinschaften, die sich hauptsächlich mit der Arbeiterbewegung und der Judenverfolgung, gelegentlich auch mit der Erklärung von Straßen oder Flurnamen befassen. In früheren Zeiten waren es besonders die Lehrer, die sich ähnlicher Aufgaben annahmen. Um eine viele berührende Frage zu klären, beschäftigte sich der Eimsbütteler Oberschüler Matthias Hütgens mit einem kleineren Konzentrationslager aus der NS–Zeit, seinerzeit südlich der Reichsbahn auf Luruper Gebiet gelegt. Die dort untergebrachten jüdischen Mädchen und Frauen tschechischer Herkunft mussten gegen Kriegsende in Eidelstedt primitive Plattenhäuser Bomben geschädigte herstellen. Von diesen Plattenhäusern existiert keine mehr, allerdings gibt es eine neuere Rekonstruktion in Poppenbüttel.
Über den Eidelstedter Horizont hinaus erstreckte sich die Sammeltätigkeit des in der Nebenbahnstraße wohnhafte Vorgeschichtsforschers Otto Karl Pielenz: ein Teil seiner archäologischen Funde ist im Helms Museum in Harburg und von dort an das Bürgerhaus ausgeliehen.
Auf dem Gebiet der bildenden Kunst sind einige Proben der Maler Schmidt – Pauli, Frau Frida Cöllen – Böttcher, des Architekten Koyen sowie Aquarelle des Bahnbeamten Erich Lücke in das Heimatmuseum gelangt. Um künstlerische Landschaftsfotografie hat sich am meisten
W. Schröder bemüht; man möchte wünschen, dass Postkarten darauf ein Bild von Eidelstedt verbreiten würde.
Es ist eine Benachrichtigung der Stadtrandbewohner, dass ihre Unterhaltung, dass ihre Unterhaltung weitgehend durch elektronischen Medien, wie das Fernsehen, besorgt wird. Daher trifft man hier im Stadtbild an Häusern schüsselförmige Antennen, an manchen Häusern mehrfach. Die Jugend besucht Diskotheken, für Ältere gab es in früheren Jahren die Bürgermaskerade, über die Gerda Geduhn ein Gedicht im Mitteilungsblatt des Bürgervereins veröffentlicht hat.
Sicher ist die nun folgende Nennung von Eidelstedter Dichtern, von denen Hermann Claudius (19.10.1878 – 08.09.1980) der bekannteste ist, nicht vollständig.
Der Eidelstedter Landwirt Hermann Timmermann fühlte in sich eine poetische Ader und berichtete Ereignisse von nah und fern. Als Schleswig – Holsteiner wandte er sich nach dem 1. Weltkriege der Schlacht von Idstedt (25. Juli 1850) zu mit folgenden Versen:
O Idstedt, O Idstedt, du grusige Slacht
Un doch heff ick so oft di dacht.
Wi wörrn dor slon und hebbt doch nicht
verloren „Bi Idstedt, dor wörr uns Dütschland geboren.“
Vergeet dat nicht
Nu is dat üm uns as in düstre Nach
Noch schient dat för Dütschland,
as wörrt nie wedder Dag
Doch ümmer noch blinkert ut wide Feern
An`n dütschen Himmel een helle Steern
Den wi nie vergeet
De Dag von Idstedt.
Gerhard Schulz, seit einigen Jahrzehnten Eidelstedter Bürger, hat sich ein großes Verdienst um die innere Gestaltung des Heimatmuseums erworben und mit Rat und Tat manche technischen Probleme gelöst. Er schrieb die folgenden Verse „Unter dem Regenbogen“:
Wenn nach Sturm und Regen ein tröstliches
Licht mit mildem Strahl durch die Wolken bricht
und es scheint, dass dennoch der Himmel uns liebt
und von Neuem wieder den Sonnenschein gibt,
so freu Dich dran, wenn glatt die Wogen,
freue Dich unterm Regenbogen
Hermann Claudius
ein Urenkel des bekannten Schriftstellers Matthias Claudius (Herausgeber des „Wandsbeker Boten“), geboren am 24 Oktober 1878, verlebte einen Teil seiner Jugend in Eidelstedt. Er hat das folgende Gedicht als Erinnerung an seine Kindheit geschrieben:
Eidelstedt
Ach, Eidelstedt, ja Eidelstedt!
Wie die Zeit vergeht!
Wie die Zeit vergeht!
Zwar stand die Brauerei
schon dort,aber sonst
war es stiller im Ort.
Haus und Garten und der
Windfang. Und am Gartenzaun
für die Bahn entlang.
Wir waren zwei Brüder,
zuletzt gar drei,
und ließen keinen Zug vorbei.
Ohne stramm zu stehen wie
Pflog, wie der Bahnwärter
Schlöh, in der Hand der Stock.
Und wir mussten es tun, das
war doch klar, weil unser
Papa der Herr Bahnmeister war.
Und im Garten der Sod mit dem Dach.
Wir sahen hinunter und dachten
nach, ob es wohl wahr sei,
was der Vater erzählt:
der Sod ginge durch bis
an die andere Seite der Welt.
Da ständen die Leute
alle Kopf und wären
Schwarz bis auf den Schopf.
Und Hannes Möller, der
Knecht, war da, der nur
mit einem Auge sah.
Er schlug das Holz und
sang dabei laut.
Mir hat immer vor ihm
gegraut. Dennoch hat er
mir beigebracht, wie man
das Flöten macht beim
Tauben füttern. Sie schwirrten
im Bogen. Doch endlich sind
sie mir fortgeflogen.
Und da fällt mir aufs Herz
wie ein Stein die Geschichte
von dem Verrückten ein.
Wir kamen vom Bahnhof,
Paula und ich. Und er
hinterher, es war
fürchterlich! Dreimal ums Haus
herum! Immer schneller!
Und Gott sei Dank! Dann
hinein in den Keller.
Ins Fenster starrte noch sein
Gesicht. Ich vergesse es
im Leben nicht.
Und die Glashütte!
Nachts gab sie feurigen Schein.
Ich wagte mich da nicht hinein.
Es wollte mir nicht aus dem Sinn,
Vater sagte, der Teufel hause
darin. Die Kiesberge waren mir lieber
o ja! Aber die Kiesberge sind
nicht mehr da mit ihren
Höhlen, mit ihren Steinen
und ihren Sommer sonnen scheinen.
Wo der Sod und der Garten
war und das Haus da rasseln
jetzt Züge ein und aus. Ich saß
schon mehrmals selbst darin.
Es ging mir seltsam durch
den Sinn. Nachdenklich
war wohl mein Gesicht.
Die mit mir fuhren, merkten
es nicht. Doch manchmal wie
ein Kindergebet sagt seine
Seele noch: Eidelstedt!
Heimweh na Eidelstedt
Ick wär so gern wedder to Hus
dor, wo mien Weeg eenst stünn,
wo ick mien Kinnertied verbröcht
und wuss ook goode Frünn.
Wör keen Paast mit groten Park,
twee Treppen güng dat rop,
doch wär för mi uns lütte Stuw
veel grötter as een Slott.
Fabriksirenen in de Fröh
wokt ut den Slap mi op,
un Peergeklapper von de Stroot,
dat klüng bit boben rop.
Uns Modder säät so manche Tied
an ehre Neihmaschin,
denn wedder schull bit End de Woch
wat Niegers fardig sein.
Uns Vadder har sein lütt´n Gorn,
dor, wo wi wohnt, bit Huus.
Dröcht to sein Swistern in de Stadt
veel Bloomen, Struss bi Struss.
Bald wär de Wohnung doch to lütt,
wi Kinner wussen ran
und Vadder keek sick mit de Tied,
ne niege Wohnung an.
Doch dann meent he und Modder seggt:
„Wie wohnt wie doch blots schön,
wie könt de Hüüs, de Strot, de Bohn
un Möhl good öbersehn“.
„De Kinner“, dachten se gewiss,
„ verdeent de erstmol Geld,
kiek sick doch no wat anners üm,
in disse groote Welt“.
Doch käm dat anners as gedacht,
to Vadder käm der Dood,
op eenmol wär uns Wohnung
doch so leer, so still, so groot.
No een poor Johrn, lang wär all Krieg,
dor heet dat: „Alles ruft“
in Flammen stünn, wat uns lütt Riek,
un alles, allns wär ut.
Go hüt as Fremde dörch de Stroot,
wo miene Weeg eenst stünn,
een anner baut sick op dat Huus,
doch wie wohnt nicht mehr binn.
Meist kummt mi de Gedanke an:
„Man hett di hier verdreben“.
Doch nähm man uns to Tohuus,
uns Heimat is uns blewen.
Gerda Geduhn, ausgebomt in Eidelstedt am 24.07.1943
Min Eidelstedt, wie büst Du schön!
verfasst und gesungen vom Eidelstedter Sänger EDGAR ZAUSS
1929
Wo Marsch und Geest tosammendröppt,
Dorch greune Au´n de Ollo löppt,
Wo Industrie und Handel blöhnt,
Wo in de Wisch de Kukut schreet,
Wo markig klingt datt dütsche Leed,
Dor is min leeves Eidelstedt.
Min Eidelstedt, wie büst du schön
To Sommertied, wenn allns is grön!
Kummst du von Süden oder Nord`n,
Denn winkt die all de Karkentorn.
To Mod ward heimatlich din Seel,
Sühst du an Möhlendiek de Möhl.
Und sünd wi mal wiet weg vun ehr,
Drifft uns de Sehnsucht wedder her!
Min Eidelstedt, wie büst du schön,
Wenn ick di heff so lang nich sehn!
Ok Nam´ns gifft von goden Klang,
Se all to nenn, dat duert to lang.
Denn Ramcke, Meyer, Kölln und Kohrs
Und Timmermann, Krohn dat is nix rar`s.
Verwandtschaft hier ,Verwandtschaft dor,
Min Eidelstedt, wie ist datt schön,
Hier kennt sick wohl bald jedereen!
Een Füerwehr hebbt wi, flink to Been,
De kann dörchut nix brenn`sehn.
Sobald datt Füerhorn sick lett hör`n.
Loppt all´ns tosam, een Hupen Görn.
Sobald de letzte Funk verflücht,
Roppt schon de Hauptmann: Schläuche
Min Eidelstedt, wie akkurat,
Din Füerwehr, datt is´n Staat!
An Sommerdag, wenn singt de Lark,
Verleevte gaht na „Schumannspark“.
Dor sitt bi Nachtigallngesang.
In Düstern se noch op de Bank.
Und swört sick gegensiedig Leev
Und datt im Leben dat so bleev.
Min Eidelstedt, din Sommerluft
Bröch mennigeen all ut de Kluft!
So leev hett jeder wull sin Stät,
Wo he he Welt toerst bekek,
Wo Modersprak toerst he hört,
Denn dütschen Sinn toerst em lehrt,
Und waßt dor ok keen Blatt und Blohm,
Henn na de Heimat geiht sin Drom.
Min Eidelstedt, min Heimatort
Di gelt min allerletztes Wort!
1945
So heff ick mal freuher sung,
As noch uns scheunen Hüser stunn,
As unse Straaten glatt und schier
Keen Brandruin jem verunzier.
Keen „Duppeleek“, keen „Wartburg“
Ook „Waldesruh“ vermißt ick sehr.
Min Eidelstedt, wi wärs du schön
Denk ick torüch, meist müch ick ween!
1953
Und säh datt ut ook bannig slecht,
So langsam kümmt all`ns wedder t`recht.
Barg nee Hüser hebt wi stahn,
Een Grotverkehr dörch Bus und Bahn.
Handwerk und Hannel bleuht, gedeiht,
Da`t Eidelstedt nicht ünnergeiht.
Min Eidelstedt, din nee Gesicht
Gifft wedder Hoffnung, Toversicht!
Ein wertvoller Beitrag zur Orts bezogenen Jugendliteratur leistete der Redakteur Peter Jäger mit seinen Büchern „Vierbeiner auf Probe“ und „Die Wiese gehört uns“, nachdem in den letzten Jahrzehnten niemand etwas Belletristisches hier geboten hat. Der Verfasser dieser für Kinder über 10 Jahren gedachten Bücher, Vater von zwei Kindern und Anwohner einer noch unbebauten Wiese, mag so zum Schreiben veranlasst worden sein. Die Gedankenwelt, Sprechweise, das gestiegene Selbst Bewusstsein der heutigen Kinder und das Leben in heiler Familie werden hier geschildert. Exotisch – Phantastisches, Religiöses oder Plattderbes ist vermieden zu gunsten von Aktuellem und realer Korrektheit. Das etwas heikle Thema „Hunde bei Kindern und in der Großstadt“ist durch das Vorort Milieu entschärft. Die Bücher brauchen hinter den klassischen Jugendschriften von Erich Kästner nicht zurück zu stehen.
Gelegentlich wird den Eidelstedtern Besonderes geboten. So waren an einem Herbstsonntage 1995 die Figuren der deutschen Kaiser, die sonst die Front des Hamburger Rathauses in Erzgestalt schmücken, in einer Lagerhalle beim Eidelstedte Bahnhof ausgestellt ,wo man die Künste der Restauratoren besichtigen konnte.
Und jährlich zwischen Weihnachten und Neujahr hat ein Chaos – Computer – Treff stattgefunden für „Hacker“ und andere Freude des Computerbetriebs.
Eine Chronik ist eine anspruchslose Schilderung von gewissen geschichtlichen Ereignissen eines begrenzten Raumes, auch eher für künftige Leser als für die jetzigen gedacht. Sie ist somit kein Nachschlagebuch für Alltagsbedürfnisse. Nur sehr verkürzt sei hier ein Abschnitt über stattliche bzw. kommunale Verhältnisse angefügt.
Innerhalb der Hansestadt gehört Eidelstedt zum Bezirksamt Eimsbüttel, dessen Leiter in der Berichtszeit Dr. Sieg, Günther Kastenmeyer und Frau Dr.Nümann–Seidewinkel waren. Trotz der großen Abhängigkeit vom Bezirksamt werden Eidelstedter Bürger nicht allzu oft den Weg zum Grindelberg 66 haben unternehmen müssen.
Im Gegensatz zu Stellingen hat Eidelstedt kein richtiges „Rathaus“, wo die Bürger ihre alltägliche Amtsgeschäfte erledigen können. Bis 1975 bestand eine räumlich unzureichende Ortsdienststelle. Mit der Begründung, dass die Kosten der baulichen Erweiterung eine Millionenhöhe erreichen würde, konnte eine wesentliche Erweiterung nicht erfolgen. Seit dem ermöglicht die durch Treppen oder Fahrstuhl zu erreichende Ortsdienststelle Eidelstedt am Ekenknick 4 folgende Hilfen:
-Einwohner-Abschnitt
-Sozialer- Abschnitt
-Amt für soziale Dienste
-Gesundheit und Umweltamt
-Mütter Beratung
-Schularzt
Der Dienststellenleiter Rolf Acker erhielt 1981 eine Auszeichnung mit der Begründung „freundlichstes Sozialamt des Jahres“ durch
Frau Dr. Stödter. In der Nähe befinden sich die Post, Krankenkassen, Bankfilialen und ähnlichen Dienste.
An Kindertagesheimen hat Eidelstedt
-2 Heime freier Träger
-3 Heime der „Vereinigung“
-1 Heim von der Kirche
-1 Heim der Elterniniative
-2 Halbtags Kindergärten der Kirche
-2 Horte in Schulen
Die Zahl der 1700 im Stadtgebiet in „Vollheimen“ untergebrachten Kinder hofft man durch Suche nach Einzelpflegestellen zu vermindern.
Die Hamburger Öffentliche Bücherhalle kämpfen gegen die drohende Kürzung der Geldmittel; sie sind dazu übergegangen, auch benutzte Bücher zu verkaufen.
Alle anderen Dienstgeschäfte, etwa im Wirtschafts oder Bauwesen oder auch ein Teil der standesamtlichen Zuständigkeit werden im Ortsamt Stellingen Basselweg 73 erledigt. Die Leiter dieses Amtes haben in der Berichtszeit gewechselt, zunächst 1961 von Karl-Heinz Krahn an Egon Lohfeldt, später von Günther Franz an Gerhard Kruse.
In dieser Schrift ist vorwiegend die Entwicklung der örtlichen Strukturen behandelt und weniger Gewicht auf die Nennung der tätigen Personen gelegt worden. Bei größerer Ausführlichkeit hätte z. B. Erfolgreiche Geschäftsleute, Politiker, Geistliche oder Schulleiter erwähnt werden können. Zum Schluss sei jedoch eine Ausnahme gemacht hinsichtlich der Vorstandsvorsitzenden des Bürgervereins in den letzten Jahrzehnten:
1952-1961 Fritz Eckhoff
1962-1967 Ernst Schaller
1968-1983 Fritz Lorenz
1984-1989 Wilhelm Pein
ab 1990 Bruno Gerken
Ohne die Mitteilungsblätter des Vereins hätte diese Chronik nicht geschrieben werden können, auch allen übrigen Auskunftgebern sei herzlich gedankt.
Verfasser: Walter Paatsch, Postfach 20 33 36, 20223 Hamburg