Vor über 100 Jahren haben sich einige Eidelstedter zusammengetan, um einen Verein zu gründen. Geleitet von sozialer Verantwortung und dem Wunsch, sich kommunal einzumischen, entstand der Eidelstedter Bürgerverein. Damit zeigten sie ein Handeln, das bestimmt nicht üblich war für das erste Jahr des vergangenen Jahrhunderts.

Erinnern wir uns: Deutschland wird regiert von Kaiser Wilhelm II, die
politische Verantwortung trägt der von ihm ernannte Reichskanzler
Bernhard Fürst von Bülow.

Überhaupt waren die Jahre zwischen unserer Gründung bis heute die Jahre der gesellschaftlichen-, technischen- und politischen Veränderungen. Vom Detektorradio zum Hifi-Dolby-Surround-Radioempfang, von den Anfängen der Fliegerei bis zur Landung  auf  dem Mond. Die meisten Staaten wandelten sich in eine demokratische Republik, manche über schmerzvolle Umwege.

Bereits in unserem Gründungsjahr 1901 gab es einige bemerkungswerte Neuerungen:

-So billigte der Reichstag in Berlin ein Gesetz über Diätenzahlungen.
 Danach bekommen Abgeordnete Freikarten für die Eisenbahn und für die Dauer ihrer Anwesenheit in Berlin 20,-- Mark Aufwandsentschädigung.

-Ein Orthographiekongress beschliesst eine Rechtschreibereform. In
 vielen Wörtern ersetzt das "T" das "Th" (Tor statt Thor), das "K" das
 "C" (Kurs statt Curs)

-In Berlin wird die "Wandervogelbewegung" von K. Fischer gegründet.

-King Camp Gillette meldet einen Rasierapparat mit auswechselbaren
 Klingen  zum Patent an - im ersten Jahr werden 20 Apparate und 30
 Päckchen Klingen verkauft.

Und trotz aller Wirren und eines "Dritten Reiches", in der Bürgervereine es sehr schwer hatten, bestand unser Verein weiter. Als 1949 unter den Eidelstedtern der Wunsch nach einem aktiven Bügerverein wieder laut wurde, nahm der 1927 gewählte 1. Vorsitzende Bruno Birkner seine Arbeit wieder auf und führte den Verein bis 1952. Der Verein bedankte sich bei ihm und machte Birkner zum Ehrenvorsitzenden, obwohl unsere Satzung diese Ehrung nicht kennt.

Bestimmt haben die Gründer unseres Bürgervereins gehofft, dass ihr Werk von Dauer sein  wird. Für die ersten 100 Jahre haben sie Recht behalten -ich hoffe, auch für die Zukunf. Gerade in einer globalen Welt brauchen Menschen heimatliche Einbindung. Bei aller Offenheit Neuem und Fremdem gegenüber, sollten Tradition und Heimat uns nicht verlorengehen.

Der Zufall wollte es, dass unser Jubiläumsjahr zum "Internationalen Jahr der Freiwilligen" ernannt wurde. Der Staat, bzw. die Politik setzen also ein Zeichen, die Ehrenarbeit - und Bürgervereine leisten ausschliesslich Ehrenarbeit - anzuerkennen und hoffentlich auch zu fördern. Da ist einem vor der Zukunft der Bürgervereine nicht mehr bange!  ?

Also, wohlauf  Eidelstedter Bürgerverein von 1901  e.  V.

Ulrich Winkel

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