Bürgerverein vor dem Dammtor / Pöseldorf r.V.

für Hamburg Harvestehude / Rotherbaum

 

Am 10. Februar 2008 konnte der Bürgerverein seinen 160. Geburtstag feiern. Auf dem offiziellen Empfang im April blickte die 1. Vorsitzende Frau I. Reinhard in ihrer Rede auf 160 Jahre Geschichte des Bürgerverein zurück. Hier einige Auszüge aus ihrer Rede:

Das Jahr 1848 ist uns allen aus den Geschichtsbüchern bekannt als das Jahr der deutschen Revolution.

In der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung von 1776 waren schon Freiheit, Bürgerrechte und Menschenrechte umgesetzt worden und in der französischen Revolution von 1789 mit blutigen Aufständen massiv gefordert worden.

Dies geschah nun auch in Deutschland, in einigen Städten auch mit blutigen Aufständen, bekannt als die Märzrevolution.

Schon im Februar, genau am 10. Februar 1848, getrieben vom Zeitgeist, setzten sich vor dem Dammtor  auf Einladung des Lehrers Carl Tiecke 38 der angesehensten Bürger  im Lokal des Landvogts Hartmann am rothen Baum zusammen und gründeten den „Bürger=Verein außerhalb Dammthors“, einen Verein zur Vertretung der Interessen der Bürger des Gebietes.

Damals wurde es gerade erst möglich  sich in Vereinen frei und unabhängig– ohne staatliche Repressalien  - zusammen zu schließen.

Das war ganz modern oder „in“, wie wir heute sagen. 

So gab es zu dieser Zeit schon den St. Pauli-Bürgerverein von 1843, den Hamburger Bürgerverein von 1846 und den Bergedorfer Bürgerverein von 1847.

Im Jahr 1848 entstanden dann noch 3 weitere Bürgervereine:

der von Altona, der von Wandsbek und eben unsrer, der vor dem Dammtor.

1937 wurde der Bürgerverein vor dem Dammtor mit dem 1877 gegründeten Pöseldorfer Bürgerverein zusammengeschlossen.

Und ab 1937 gehörte auch  - bis 1986 -  der 1898 gegründete Gewerbeverein vor dem Dammtor dazu.

Ca 10 Jahre gab es den Heimat- und Gewerbeverein vor dem Dammtor, dann wechselte 1947 der Name in Bürger- und Gewerbeverein vor dem Dammtor/Pöseldorf, der eben knappe 40 Jahre existierte.

Die Trennung vom Gewerbeverein war in den 80er Jahren des vorigen Jahrhunderts notwendig geworden, da die Ansprüche des Gewerbes an den Verein gestiegen waren und ehrenamtlich nicht mehr zu handhaben waren.

Seitdem gibt es also den Bürgerverein vor dem Dammtor / Pöseldorf r.V.

Auf dieses r.V.sind wir heute noch sehr erpicht, da es selten geworden ist.

Die meisten Vereine sind e.V., also eingetragene Vereine,

wir sind mit r.V. ein registrierter Verein, heute registriert in der Justizbehörde, früher in der Senatskanzlei.

Aber zurück in das Jahr 1848.

Im Gründungsjahr des Bürgervereins gab es zwei Vorstädte, St. Georg und St. Pauli.

Es war jahrelang das Bestreben des Bürgervereins, dass das Gebiet vor dem Dammtor auch Vorstadt wird. Dies geschah im Jahr 1894, nämlich  - ich zitiere aus dem Jahresbericht:

der Anschluß unseres Vorortes an die Stadt, wodurch wir jetzt im Bezirk Rotherbaum-Harvestehude wohnen und alle gesetzlichen Rechte mit der Stadt theilen.

Dieses  - von Anbeginn des Vereins angestrebte Ziel - erwies sich schon bald als nicht ganz so vorteilhaft, was wir heute auch noch nachvollziehen können, da unser Stadtteil aufgrund seiner Bedeutung und seiner Lage häufiger von Senat und Bürgerschaft mitregiert wird durch Evokation

und damit Beschlüsse der Bezirksversammlung Eimsbüttel kassiert werden.

1848  -  es ist für uns heute gar nicht mehr vorstellbar -  war unser Stadtteil Harvestehude-Rotherbaum offenes Landgebiet.

Die Stadt Hamburg war auf ihre Stadtmauern beschränkt, die rechtzeitig zum 30-jährigen Krieg  - also 1618 -  fertig gestellt worden waren, so dass dadurch die Stadt weitgehend vom Krieg verschont blieb.

Ja, und vor dem Dammtor: But´n Dammtor war dat scheun greun.

Die Verhältnisse, wie sie vor 50 Jahren bestanden, so sagte Heinrich Pienitz, der damalige erste Vorsitzende, bei seiner Rede zur 50 Jahrfeier, klingen heute  - 1898 also - bald wie ein Märchen.

Sie sind heute ja für uns    noch     unvorstellbarer.

Er sagte weiter

Es gab weder Wasser- noch Sielanlagen, für Straßenbeleuchtung mußten die Bewohner selbst sorgen, Abfuhrwesen kannte man gar nicht,

für ganz Eimsbüttel, Eppendorf, Rotherbaum und Harvestehude gab es nur einen Briefträger und einen sogenannten Landgendarm, …;

für nächtlichen Schutz mußten die Bewohner eigene Wächter zahlen. …

Gepflasterte Straßen kannte man nicht. Die Hauptverkehrsstraßen, wie die Grindelallee und die Rotherbaumchaussee hatten zu beiden Seiten des Fahrweges kleine Wassergräben,

der Fahrweg selbst hatte nur in der Mitte einen chaussierten Streifen.  … 

Die Häuser waren zumeist einstöckig, höchstens einmal zweistöckig, jedes Haus hatte einen Vor- und einen Hintergarten.

Die ganze Gegend vor dem Dammtor hatte einen rein     ländlichen Charakter.

Hier musste gekämpft werden, aber nicht mit Waffen und nicht gegen König und Adel wie in der Revolution, König und Adel gab es in Hamburg nicht, sondern in Abstimmungen von Suppliken und Eingaben, und mit Forderungen und schriftlichen Bitten an Verwaltung und Senat.

Die Verbesserung der Wege und Straßen war Thematik in den ersten Jahren 1848 bis 1852.

Der Verein erreichte den Bau einer Verbindung zwischen Grindelallee und Rotherbaum-chaussee – wie man damals noch sagte -, den damaligen Moorweidenweg.

1857 setzte man sich für eine Neuordnung der Straßennamen und Hausnummern ein.

1859 wurde nach zähem Fordern das Gebiet an die Gasbeleuchtung angeschlossen.

Ebenso zähes Ringen war erforderlich, bis das Abfuhrwesen, die Straßenreinigung und das Besprengen der Straßen im Sommer mit Wasser  - damit es nicht so staubte – staatlicherseits übernommen wurden.

Als Anfang der 1860-er der Anschluß an die Wasserkunst erfolgte, veränderten diese Anlagen den Charakter der Gegend grundlegend.

Die Ländlichkeit wich mit der zunehmend städtischen Bebauung. Die Straßengräben wurden entfernt, da sie überflüssig geworden waren. Und die Misthaufen in den Gärten und die eigenen Brunnen verschwanden, da man zum Anschluß an die Wasserleitung gesetzlich verpflichtet war.

Die anfängliche Zielsetzung des Bürgervereins vor dem Dammtor war bei seiner Gründung sehr eng auf soziale Aufgaben bezogen. Dies resultierte nicht zuletzt aus der Zunahme der Bevölkerung des offenen Landgebiets vor dem Dammtor nach dem großen Brand in Hamburg 1842.

Der Verein, vertreten durch den Vorstand, kümmerte sich um das, was wir heute Infrastruktur nennen. Er gründete unterschiedlichste Institutionen und er stand diesen auch vor.

Da sind zu nennen die Bibliothek, die Actiencasse und die Sparkasse vor dem Dammtor, die 1897 von der Städtischen Sparkasse von 1827 übernommen wurde,

die Warteschule, einem heutigen Kindergarten gleich zu setzen.

Die Kinder warteten nicht auf die Schule, sondern sie wurden gewartet.

Das Wort Wartung kennen wir auch im Zusammenhang mit der Autowerkstatt.

Ziel war es -  wie gesagt -   Verarmung zu verhüten.

Dazu wurde dem Verein auch ein Stück Land bei der Sternschanze zur Verfügung gestellt, das die kleinen Leute bebauen konnten, um sie so vor Verarmung zu schützen.

Es wurde zudem eine Unterstützungskasse gegründet für in Not geratene Familien.

Die Verhinderung von Armut war dem Verein damals recht gut gelungen, vielleicht mit Folgen bis in die heutige Zeit, da unsere Stadtteile Harvestehude und Rotherbaum immer noch zu den begüterten Regionen der Stadt zählen.

Immer wieder wird auch gern erzählt, dass der Verein für die Einrichtung der ersten Apotheke vor dem Dammtor sorgte.

Soviel aus der Rede von Frau I. Reinhard

 

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